Rückblick: Forschungstag Cybersicherheit NRW 2026

Am 30. April fand zum zweiten Mal der Forschungstag Cybersicherheit NRW statt. Rund 50 Vertreter*innen aus Wissenschaft, Politik und Praxis kamen im Zentrum für das Engineering Smarter Produkt-Service Systeme (ZESS) in Bochum zusammen, um aktuelle Entwicklungen, Forschungsansätze und Herausforderungen in der IT-Sicherheit zu diskutieren.

Nach der Begrüßung durch unsere Vorstandsvorsitzende Christine Skropke eröffnete Prof. Dr. Andrea Kienle, Abteilungsleiterin Forschung im Ministerium für Kultur und Wissenschaft (MKW), die Veranstaltung.

Anschließend folgte der erste Impulsvortrag von Sabine Puch (DLR Projektträger) zu der Thematik „Safeguarding Science“. Hier wurde deutlich, dass Forschungssicherheit längst zu einem strategischen Managementthema für Hochschulen und Forschungseinrichtungen geworden ist. Im Fokus standen die wachsende Komplexität internationaler Kooperationen sowie die Notwendigkeit, eigene Prozesse kontinuierlich weiterzuentwickeln, um ein sicheres Umfeld für exzellente Forschung, Lehre und Zusammenarbeit zu schaffen.

Das anschließende Panel mit Prof. Dr. Andrea Kienle, Sabine Puch und Prof. Dr. Veelasha Moonsamy, moderiert von Christine Skropke, vertiefte diese Fragestellungen unter aktiver Einbindung des Publikums. So entstand ein lebhafter Erfahrungsaustausch zwischen allen Beteiligten. Ein zentrales Diskussionsthema war die Einführung der CISO-Pflicht an allen NRW-Hochschulen, die von den Expertinnen als wichtiger Schritt zur Stärkung der Forschungssicherheit bewertet wurde. Trotz bestehender Herausforderungen fiel das gemeinsame Fazit positiv aus: NRW befindet sich auf einem guten Weg.

Ein weiterer Schwerpunkt des Forschungstags lag auf zukunftsweisenden Impulsen und aktuellen Forschungsprojekten aus Wissenschaft und Praxis. Auf dem Programm standen u.a. folgende Fachvorträge:

  • „Towards secure and privacy-friendly embedded devices“

Prof. Dr. Veelasha Moonsamy (Horst-Görtz-Institut für IT-Sicherheit / Ruhr-Universität Bochum) gab Einblicke in ihre Forschung am Lehrstuhl für Security and Privacy of Ubiquitous Systems der Fakultät für Informatik. Im Mittelpunkt standen die Analyse, Absicherung und Resilienzsteigerung von Software- und Hardwaresystemen vernetzter Infrastrukturen. Ziel ist es, Sicherheitslücken frühzeitig zu identifizieren und Datenschutzmechanismen bereits im Systemdesign zu verankern.

  • „Trustpoint – Sichere digitale Identitäten für die Industrie“

Prof. Dr. Jan Pelzl von der Hochschule Hamm-Lippstadt stellte das Forschungsprojekt „Trustpoint“ vor. Ziel des Projekts ist die Entwicklung einer Open-Source-Lösung zur sicheren Bereitstellung und Verwaltung von Maschinenidentitäten über deren gesamten Lebenszyklus hinweg. Darüber hinaus gab er einen Ausblick auf den innovativen Studiengang „Human Cyber Security“, der ab dem Wintersemester 2027/28 den Schwerpunkt auf die Konzeption technischer und verhaltenswissenschaftlich-basierter Lösungen legt, die Sicherheitssysteme und das gewünschte Sicherheitsverhalten des Menschen verbessern und sich in die Praxis übertragen lassen.

  • „KMU.kompetent.sicher.“

Tim Brinkmeier von der Universität Paderborn zeigte anhand des Förderprojekts „KMU.kompetent.sicher.“, wie der Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis gelingen kann. Aufbauend auf Erfahrungen aus Vorgängerprojekten wird eine niedrigschwellige IT-Sicherheitsqualifizierung für Beschäftigte kleiner und mittlerer Unternehmen entwickelt, um die Anforderungen der NIS-2-Richtlinie praxisnah umzusetzen.

  • „The Fast and the Curious: Datenerhebung und Trackingpraktiken im Internet“

Prof. Dr.-Ing. Tobias Urban vom Institut für Internet-Sicherheit (if(is)) der Westfälischen Hochschule verdeutlichte anschaulich den akuten Handlungsbedarf im Bereich Datenschutz. Neben der Funktionsweise moderner Trackingpraktiken präsentierte er Forschungsergebnisse zu gravierenden Sicherheitslücken, u.a. unverschlüsselte Datenübertragungen in Kita-Apps.

  • „Angewandte OT-Security-Forschung: Praxiserfahrungen aus KRITIS-Sektoren in Bahn & Energie“

Ali Recai Yekta von unserem eurobits-Mitgliedsunternehmen Yekta IT zeigte Einblicke in die jahrelange OT-Security-Forschung aus dem BMFTR-geförderten Forschungsprojekt FINESSE. In seinem Fachvortrag ging es darum, wie moderne Fahrzeug- und Bahnsysteme angegriffen werden können, aber vor allem auch darum, wie man solche Angriffe erkennt und sich dagegen absichert. Für den Energiesektor zeigte Yekta IT außerdem, wie sich Cyber-Notfallübungen in realitätsnahen OT-Demonstratoren durchführen lassen ohne produktive Anlagen zu gefährden.

Ergänzend informierte das Nationale Koordinierungszentrum Cyber-Sicherheit Deutschland (NKCS) über aktuelle Fördermöglichkeiten im Rahmen des Horizon Europe Programms auf europäischer Ebene.

Die vielfältigen Vorträge und Diskussionen boten spannende Einblicke in aktuelle Forschungsprojekte, neue Herausforderungen und konkrete Lösungsansätze für die Praxis. Besonders wertvoll war der offene Austausch zwischen den Teilnehmenden, durch den neue Perspektiven, Kontakte und Impulse entstanden sind.

Wir danken allen Anwesenden für ihre Beiträge und die positive Resonanz auf den Forschungstag Cybersicherheit NRW 2026. Eine Fortsetzung im kommenden Jahr ist bereits in Planung.